70 Jahre Naturfreunde – 70 Jahre Freu(n)de und Gemeinschaft in Winzendorf
In den 1950er Jahren nahmen die jungen unternehmungslustigen Natur- und Bergfreunde Willi Maier, Anton Glatz, Helmut Abraham, Hans Hornung, Ewald Rodler, Bertl Postl und Willi Zierhofer Kontakt zur Ortsgruppe der Naturfreunde Grünbach auf, damals noch “TouristenVerein Die Naturfreunde“. Bereits 1956 gründeten sie innerhalb des TVN Grünbach eine eigene Sektion für die Ortsgruppe Winzendorf. Erster Obmann der Sektion Winzendorf wurde der spätere Elektromeister Anton Glatz, sein Stellvertreter Franz Putz. 1957 schloss sich der Bergfex Martin Gerobl der Gruppe an, 1961 kamen die ersten Frauen dazu: Helga Geiger (Zierhofer), Franziska „Franzi“ Geiger (Fink) und Lisa Staudenbauer und auch Lisas Ehemann Heinz. Bald bemühte sich die Ortsgruppe um mehr Eigenständigkeit: 1960 bewilligte der Bundesvorstand in Wien die Gründung der Ortsgruppe Winzendorf und der Verein wurde bei der Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt formell eingetragen. Die ersten Wanderungen des neuen Vereins führten im Mai 1960 über den Schneeberg auf die Rax, im Juli auf den Göller und im August auf die Hohe Wand. Im September ging es wieder auf den Schneeberg und dann zur Burgstallhütte. Im November wanderte die Gruppe dann zur Eisensteinhöhle bei Bad Fischau.
Getragen wurde der Verein vom jugendlichen Geist der Mitglieder. Vereine gab es in den 1950er Jahr kaum in Winzendorf und das gemeinsame Tun und die sportliche Betätigung begeisterte viele der Jugendlichen. Jeden Freitag wurde im Gasthaus „Zur Waldandacht“ der Fam. Flechl ein „Heimabend“ abgehalten, bei dem in geselliger Art und Weise die nächsten Aktivitäten geplant wurden. Damals hatte kaum jemand einen Fernseher oder ein Auto und Geselligkeit wurde großgeschrieben. Die erste Generalversammlung der Ortsgruppe Winzendorf fand am 4. Dezember 1960 statt. Der Verein hatte damals 41 Mitglieder, wuchs rasch und wurde zu einem festen Bestandteil der Winzendorfer Gemeinde. Martin Gerobl engagierte sich ab den 1960er Jahren besonders für den Wintersport, was zu einem großen Anstieg der Mitgliederzahlen führte. 1996 zählte der Verein 337 Mitglieder! Dieser hohe Mitgliederstand ist bis heute fast gleichgeblieben.
Im Laufe der 70jährigen Geschichte gab es viele Obmänner, die hier nicht alle genannt werden können, unter ihnen Karl Postl, Willi Maier, Josef Gatterer, Helmut Hermann, Fritz Hoffmann und der am längsten dienende Obmann Karl Thalhammer. Seit 2019 führt mit Marion Spirk die erste Obfrau die Naturfreunde Winzendorf.
Es würde viele Seiten füllen, die zahlreichen Aktivitäten der Naturfreunde Winzendorf in diesen 70 Jahren seit ihrer Gründung aufzuzählen. Über die letzten Jahre informieren Sie die Berichte in dieser Website ausführlich in Bild und Text.
Hier greifen wir daher nur einige Höhepunkte der Jahre 1956 bis 2015 heraus:
Vorrangig wurden während dieser 70 Jahre Wanderungen in die nähere und teilweise auch in die weitere Umgebung unternommen. Zu den bevorzugten Zielen für Berg- und Klettertouren zählen die Hohe Wand, der Schneeberg, die Rax, der Göller und der Öhler, aber auch Touren auf Hochschwab, Ötscher, ins Tote Gebirge so wie Ski-Touren in diesen Bergen wurden unternommen. Höhepunkte waren Touren auf den Großglockner und in der Silvretta und Ausflüge in die Ötschergräben oder 1961 in das (damals) verträumte Hallstatt.
Ein jährlicher Fixpunkt der Naturfreunde war die Sonnwendfeier am Marmorsteinbruch, die immer großen Anklang fand. Aufgrund der zunehmenden Waldbrandgefahr wurde sie vor einigen Jahren eingestellt. Ein kleiner „Ersatz“ ist nun die jährlich stattfindende Vollmondwanderung im Herbst.
Ein Highlight der Naturfreunde Winzendorf war die jahrelang betreute eigene „Schutzhütte“ am Öhler. In unmittelbarer Nähe des Öhler-Schutzhauses der Naturfreunde Puchberg gelang es der Gruppe ein aufgelassenes Bauernhaus zu mieten. Über viele Jahre war das „Öhlerhaus“ attraktiver Anziehungspunkt für die Naturfreunde. Hier wurde gefaulenzt, gefeiert, gesungen und getanzt.
Außerdem organisierten die Naturfreunde u.a. Sportkletterkurse, Tanzkurse, Kulturwanderungen und Vorträge. Für Kinder und Jugendliche gab es immer wieder eigene Programmpunkte: Schwimmkurse, Kletterkurse, Skikurse (auch für Anfänger), Mal- und Kreativworkshops, Weihnachtsbasteln u.a.m.
Gemeinsam wurden auch Radtouren und Waldläufe organisiert. Der Waldlauf startete beim Vereinslokal in der ehemaligen Volksschule, (vis-a-vis der alten Pfarrkirche), von dort ging es hinauf in Richtung Waldandacht und dort nach den ersten Häusern nach rechts entlang des Waldweges zum „Steinernen Bankerl“, von dort hinunter zur Prosset-Schlucht, nahe dem Gasthaus Teichmühle nach links am Waldrand entlang Richtung Netting und dort hinauf zum (ehemaligen) Gasthaus Waldandacht und von dort retour zum Ziel bei der alten Volksschule.
Sowohl bei den Wanderungen als auch bei anderen Veranstaltungen war der „Spaßfaktor“ immer wichtig. Z.B. organisierten wir ab den späten 1960er Jahren bis in die späten 90er-Jahre jährlich den Naturfreundeball im Volksheim, schon vorher gab es den Lumpenball der Naturfreunde, der im Gasthaus Waldandacht und dann im Gasthaus Schmutzer stattfand. Und die Naturfreunde nahmen auch aktiv bei den Winzendorfer Faschingsumzügen teil. Freude am gemeinsamen Wandern und Tun wird uns hoffentlich noch viele weitere Jahre begleiten.